Blogserie „Führen mit Hirn“ 2/6: Wirkfaktor Sicherheit

12. Februar 2021

Wirkfaktor Sicherheit

Unser Gehirn bewertet ständig und unterbewusst die Bedrohlichkeit der Situation, in der wir uns befinden und aktiviert je nach Bewertung verschiedene Teile des Nervensystems.[1] Wenn eine Person einer anderen Person auf personzentrierte Weise begegnet, also Präsenz, Echtheit, Empathie und bedingungsfreie ausdrückliche Beachtung signalisiert, ermöglicht sie dieser potentiell, sich sicher zu fühlen.

Indem sich das Gegenüber sicher fühlt, deaktiviert sich dessen sympathisches Nervensystem. Dies agiert in als bedrohlich bewerteten Situationen als Verteidigungsmechanismus und führt Stressreaktionen herbei. Gleichzeitig wird ein anderer Teil des Nervensystems aktiviert, der innere Beruhigung und die Reduktion der Angst- und Stresslevel bewirkt. Zudem verbessert sich die emotionale Ausdrucksfähigkeit. Das ermöglicht den Beteiligten, sich einfühlend zu verstehen und die Empathie des anderen wahrzunehmen.

Was bedeutet das für den Führungsalltag?

Auch ich habe hierzu passende Erfahrungen gemacht: die Hilfsbereitschaft anderer Personen steht in engem Zusammenhang mit meiner eigenen psychischen Verfassung; geht es mir besonders gut, verhalten sich andere mir gegenüber hilfsbereiter, als wenn ich mich psychisch belastet fühle.

Lesen Sie hierzu auch meinen Blogbeitrag vom 19. Oktober 2018: „Soll ich oder soll ich nicht? Wenn Stress auf Unsicherheit trifft“.

Ein weiterer Gedanke: Menschen erleben die heutige Zeit als von Unsicherheit geprägt – sowohl gesellschaftlich, als auch wirtschaftlich und politisch. In vielen Unternehmen kommt bereits die nächste Reorganisation, bevor die laufende abgeschlossen ist, die Halbwertszeit von Wissen verkürzt sich und Aufgabenzuschnitte sind unter permanentem Anpassungsdruck.
Sicherheit in der Beziehung ist so mitunter die einzige Form, die Menschen noch haben. Daher ist es umso wichtiger, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern Beziehungssicherheit gewähren.

Mein Erleben zeigt, dass Sicherheit in der Führungsbeziehung wohl Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ist. Sie kann Initiativbereitschaft und eine entwicklungsfördernde Fehlerkultur im Unternehmen ermöglichen.


[1] Diese gesamte Blogreihe steht in engem Bezug zu dem in „PERSON. Internationale Zeitschrift für Personzentrierte und Experienzielle Psychotherapie und Beratung“ veröffentlichten Fachbeitrag „Wirkfaktoren personzentrierter Beziehungsgestaltung aus neurowissenschaftlicher Sicht“ des Psychologen Dipl. Psych. Michael Lux. Den kostenpflichtigen Beitrag finden Sie unter dem Link https://www.researchgate.net/publication/343382337_Wirkfaktoren_personzentrierter_Beziehungsgestaltung_aus_neurowissenschaftlicher_Sicht.

Den nächsten Blogeintrag zu der Serie „Führen mit Hirn“ finden Sie hier:

Erstveröffentlichung und Copyright (c) 2021, Astrid Weidner.
Alle Rechte bei der Urheberin. Nachdruck, Vervielfältigung oder Verbreitung nur mit ausdrücklicher Genehemigung der Autorin (info@astrid-weidner.de). Verlinkung ist erlaubt.
All rights reserved. Reprint, copying or distribution with author’s permission only (info@astrid-weidner.de). Linking is permitted.

Ein Waldweg durch einen sonnigen Mischwald

Erhalten Sie stets alle Neuigkeiten