Erstgespräch

Blogserie „Einsamkeit“ 2/8: Von Einsamkeit bedroht

Welche Gruppen sind besonders gefährdet?

Wie bei so vielen gesellschaftlichen Phänomenen, gibt es auch bei der Einsamkeit Bevölkerungsgruppen, denen besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Altersbedingte Risikogruppen umfassen Heranwachsende mit Anfang 20, die oft bildungs- oder berufsbedingt den Wohnort wechseln, Erwachsene mit Mitte 40, deren Kinder das Elternhaus verlassen und sich Strukturen in Familie und Partnerschaft ändern sowie Senioren, deren Partner oder Freunde versterben und die aufgrund eingeschränkter Mobilität erschwerte Bedingungen haben. Weitere Risikogruppen sind Menschen, deren Lebenssituation sich ändert: Studierende im Erstsemester oder Angestellte in einem neuen Unternehmen – beide besonders betroffen in Zeiten der COVID-19-Pandemie. Das chronische Home-Office sorgt aufgrund der räumlichen Distanz für eine massive Reduktion der sozialen Anknüpfungspunkte. Diese lassen sich im virtuellen Raum nur teilweise und mit vergleichsweise hohem Aufwand kompensieren.

Auch Führungskräfte sind eine gefährdete Gruppe, da sie mit dem Aufstieg in der Hierarchie zwar von vielen Menschen umgeben sind, jedoch besondere Anforderungen an die Gestaltung von Beziehungen haben und dazu neigen, Informationen zurückzuhalten.

Mehr zu diesem Thema in einem späteren Beitrag dieser Reihe, „Einsame Spitze – Einsamkeit in Unternehmen“.

Weiterhin sind Menschen mit Behinderung in erheblichem Ausmaß von Einsamkeit betroffen; laut einer repräsentativen Studie aus Großbritannien fühlt sich fast die Hälfte von ihnen oft oder immer einsam.

Erschreckenderweise geben hier mehr als acht von zehn Befragten zwischen 18 und 34 an, sich einsam zu fühlen.[1] Letztlich stellt sich die Frage, ob Singles auch zu den Risikogruppen zählen; schließlich fehlt ihnen ein fester Partner. Dies lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten – Singles können, müssen aber nicht von Einsamkeit gefährdet sein.

Denn Einsamkeit bedeutet, dass eine Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Anzahl oder Qualität der sozialen Kontakte vorliegt – nicht notwendigerweise, dass letztere grundsätzlich fehlen.

Wir tun also gut daran, dem Thema Einsamkeit vor allem bei Menschen mit drastischen Lebensänderungen, darunter junge Erwachsene und Senioren, Führungskräften sowie bei Menschen mit Behinderung, Aufmerksamkeit zu schenken. Hilfestellungen und konkrete Tipps zur Überwindung von Einsamkeit finden Sie in meinem Beitrag „Einsamkeit vorbeugen, entgegenwirken und bewältigen“ dieser Blogreihe.

Den nächsten Blogeintrag zu der Serie „Einsamkeit“ finden Sie hier:

http://astrid-weidner.de/blog/resilienz/einsamkeits-blogserie-nr-3-gefangen-im-teufelskreis

[1] Ryan, F. Loneliness: the second cruel stigma Britain inflicts on disabled people. (2017, 23. November). https://www.theguardian.com/commentisfree/2017/nov/23/loneliness-disabled-people-britain-isolation (15.10.2020)

Erstveröffentlichung und Copyright (c) 2020, Astrid Weidner.
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Ein Greifvogel fliegt über einen Wald.

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