Erstgespräch

Blogserie „Stress durch die Füllwörter der Hetze“ 2/3

Von Druck und Respektlosigkeit

– wie die Füllwörter der Hetze wirken

In meinem letzten Beitrag dieser Reihe haben Sie bereits erfahren, worum es sich bei den Füllwörtern handelt und was die Füllwörter der Hetze ausmacht. Heute geht es um die destruktive Wirkung dieser Wörtchen auf Sie selbst und Ihr Gegenüber.

Holen Sie sich folgende Situation vor Ihr inneres Auge: Eine andere Person kommt zu Ihnen. Sie hat ein berechtigtes Anliegen. Sie bemerken diese Person und wollen sich ihr gerne zuwenden. Davor wollen Sie ihren Gedanken noch zu Ende führen. Sie wollen Ihre Tätigkeit abschließen oder diese an einer passenden Stelle unterbrechen. Genau das wollen Sie der anderen Person vermitteln. Sie wollen freundlich sein und um einen kleinen Aufschub bitten.

„Ich schreibe noch schnell den Satz zu Ende.“ oder vergleichbares sagen Menschen in einer solchen Situation häufig. Der genannte Satz ist in seiner Botschaft unklar. Streng genommen ist es reine Glückssache, ob die andere Person versteht, worum es Ihnen tatsächlich geht. Sie hat dankenswerterweise gelernt, derlei Sätze freundlich zu übersetzen.

Widmen wir uns zuerst dem Wort schnell. Schnell ist ein Wort der Geschwindigkeit. Ein Zug fährt schnell oder ein Kind läuft schnell über die Straße. Für viele Handlungen aus unserem Alltag ist dieses Wörtchen riskant, denn es bringt den Aspekt der Geschwindigkeit in unsere Tätigkeiten. Und das, obwohl zügiges Arbeiten ohnehin schon fest in unseren Abläufen verankert ist. Es verstärkt also einen Aspekt unserer Alltagskultur, der bereits stark betont ist.

Die meisten Sprecher wollen in diesem Beispiel vermitteln: „Ich bin gleich für dich da. Warte bitte so lange.“ Diese freundliche Absicht transportiert dieses Wort nicht von sich aus.

Erfahrungsgemäß löst schnell als Füllwort der Hetze folgende Wirkungen aus: Der Sprecher fühlt sich gestresst und gehetzt. Und das strahlt er sowohl hörbar als auch sichtbar aus. Seine Stimme klingt angespannt und daher auch etwas höher. Die Artikulation verschärft sich. Er spricht schneller, als es für ihn und für andere wohltuend ist. Im Körper steigt die Spannung an und das ist auch im Gesicht sichtbar. Für den Sprecher ist es anspruchsvoll, Blickkontakt zum Gegenüber aufzubauen und zu halten.

Die innere Hetze führt seinen Blick weg vom Gesprächspartner. Er setzt sich und andere unter Druck und steigert das allgemeine Stressniveau im Raum. Schnell entfernt Menschen von ihrer guten Leistungsgeschwindigkeit und erhöht die Fehlerquote. Die Hetze zieht Aufmerksamkeit von der eigentlichen Tätigkeit weg. Dabei ist der Handelnde in Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe und weder richtig bei der einen noch bei der anderen Sache.

Seine Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit nehmen dadurch automatisch ab. Das Gegenüber spürt das unbewusst und nimmt einen solchen Sprecher nur noch bedingt als kompetent und selbstbestimmt wahr.

Der Satz „Ich mach‘ das noch schnell zu Ende.“ löst auch bei der angesprochenen Person unter der Oberfläche des Bewussten einige Unannehmlichkeiten aus:

Ohne freundlichen inneren Übersetzer fühlt sie sich nur eingeschränkt oder gar nicht gesehen. Sie sieht sich nicht als willkommen, sondern zurückgewiesen und in ihrem Anliegen nicht ernst genommen. So nimmt sie den Kontakt nicht als ebenbürtig wahr. Augenhöhe existiert nicht. Die Wartezeit wird für sie dadurch schwerer als notwendig und die Neigung zur Ungeduld bekommt Nahrung. Mitunter erhöht sich die Höhe, das eigene Anliegen selbstbewusst vortragen zu können.

Im nächsten Beitrag der Reihe erfahren Sie, wie Sie die Füllwörter der Hetze hinter sich lassen können.

 

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