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„Man“ im Alltag – zwischen Durcheinander und Verwirrung

29. Juni 2022

Nach dem ersten Beitrag dieser Reihe kennen Sie nun die grundlegende Herkunft des Wörtchens „man“. Außerdem wissen Sie, in welchen wenigen Fällen es seinen berechtigten Platz in der Sprache hat. Heute geht es darum, wo man in unseren Sprechgewohnheiten fehl am Platz ist. Dazu einige Beispiele aus dem Alltag:

 

 

 In diesem Unternehmen wird man nicht gesehen.  Da muss man darüberstehen.
 Bei uns macht man das so.  Kann man mich mal aufklären?
 Kann man mir mal zuhören?  Man hat gesagt, dass die Richtlinie bald kommen werde.
 Das hat man mir nicht gesagt.  Wieso hat man das nicht schon erledigt?
 Man fühlt sich dabei nicht gut.  Nach einem Friseurbesuch fühlt man sich herrlich.

 

Man kommt im allgemeinen Sprachgebrauch in vielen weitverbreiteten Formen zum Einsatz. Es dient als praktischer und bequemer Ersatz für jegliche konkrete Benennung von Personen und Personengruppen.

In klagenden Fragen wie „Kann man mir mal zuhören?“ meint der Sprecher vermutlich sein Gegenüber. Die direkte Form lautet dann z.B.: „Könnt ihr mir mal zuhören?“ Mit diesen beiden Personalpronomen klingt der Satz erst recht jammernd und maulend. Der Sprecher hat eine klare Forderung an sein Gegenüber und traut sich offensichtlich nicht, diese zu artikulieren. So macht er aus der Aufforderung eine Frage und fügt das Füllwort mal ein. „Hör‘ mir jetzt bitte zu.“ klingt anders.

Auch von Dritten, also von Menschen, die gerade nicht am Gespräch teilnehmen, lässt sich mit man sprechen. „Man hat mich einfach übergangen.“ Wer genau hat den Sprecher übergangen – die Kollegen oder der Vorgesetzte?

Besonders oft ersetzt man in einem Satz das Ich. Statt „Warum lasse ich das mit mir machen?“ oder „Ich kann damit gut umgehen.“ wählen Sprecher eine allgemeine, unpersönliche Form und sagen: „Warum lässt man das mit sich machen?“ oder „Man kann damit gut umgehen.“

Und für wen steht man in Sätzen wie: „Da kann man nichts machen.“ oder „Da muss man drüberstehen.“? Aus dem Kontext lässt sich oft nicht zweifelsfrei ableiten, ob der Sprecher sich selbst, konkrete andere Personen oder die Allgemeinheit meint.

Selbst innerhalb kurzer Berichte wandelt sich die Bedeutung von man. „Man hat mich einfach in dieses Projekt gesteckt, ohne mir vorher Bescheid zu geben. Da fühlt man sich wie der Depp vom Dienst. Wenn man das nicht einmal erlebt hat, weiß man nicht, wie das ist.“

Bei einem solchen Sprecher wechselt die Bedeutung von man innerhalb weniger Sätze mehrfach. Ich, du, wir, ihr? Die Kollegen, die Führungskraft, der Konzernvorstand? Die Familie, die Nachbarschaft oder die ganze Gesellschaft? Genau weiß „man“ das nicht. Man ist und bleibt unbestimmt. Und darin liegt die Ursache für manchen Verdruss.

Wie dieser Verdruss genau wirkt, werden Sie in den nächsten Beiträgen genau erfahren.

Bis dahin!

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