Erstgespräch

Blogserie „aber“ 3/5: Wie „aber“ Dinge verschwinden lässt

Sie haben richtig gelesen. Aber lässt Dinge verschwinden.

Holen Sie sich folgendes Feedback vor Augen. Nach einer überschwänglichen Rückmeldung leitet eine Führungskraft einen kritischen Punkt mit aber ein.

„Sie haben hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind äußerst zufrieden mit Ihrem Engagement. Ihre Leistungen übertreffen unsere Erwartungen bei Weitem. Aber eine Sache gibt es: …“

Für den Mitarbeiter bleibt hinterher das kritische Feedback dominant im Gedächtnis. Oft können Menschen alles ab dem aber im Originalton wiedergeben. Das Erfreuliche davor scheint nur noch belanglos. Aber lässt so den positiven Anteil einer Nachricht verschwinden.

Die bereits erwähnte verselbstständigte Komparativbildung spielt in diesem Beispiel eine große Rolle. Die Steigerungsform von ab vergleicht verschiedene Dinge miteinander. Aber setzt die Kritik in Relation zu den vorigen positiven Rückmeldungen. Dabei bestehen die jeweiligen Aussagen unabhängig nebeneinander.

Sätze mit aber sind darüber hinaus eine Frage der Macht. Sie lassen auch die Augenhöhe zwischen den Gesprächspartnern verschwinden. Denn der Sprecher stellt sich mit dem aber über den anderen – wenn auch meist ungewollt.

Er nimmt sich das Recht heraus, Dinge zu bewerten. Und bei Aussagen wie „Ja, aber…“ nimmt er sich sogar das Recht, das Argument des anderen völlig zu entwerten, ohne ihm eindeutig zu widersprechen. So kann sich die angesprochene Person kaum wehren. Immerhin hat der Sprecher zugestimmt. Selbst wenn das ehrlich gemeint war, wirkt es im Nachhinein mitunter nur noch wie ein rhetorischer Schachzug.

Weniger konfliktreich und dennoch destruktiv wirkt aber in Komplimenten. Viele Menschen verwenden es hier zur besonderen Hervorhebung oder einfach als Floskel. „Du trägst aber ein schönes Kleid.“ Hier tritt ein Wort des Widerspruchs auf. Trägt die angesprochene Person normalerweise keine schönen Kleider? Unterschwellig schwingt die Botschaft mit, die Schönheit des Kleides oder der Geschmack der Trägerin seien überraschend. Ohne aber wirkt das Kompliment klar und ehrlich.

Lesen Sie im nächsten Beitrag, wie aber das Auftreten anderer sprachlicher Bedienungsfehler begünstigt.

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