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Wie „man“ sich emotional verschließt

20. Juli 2022

In den vorigen Blogbeiträgen haben Sie bereits erfahren, wie die Verwendung von man Mobbing begünstigt und Verantwortungsübernahme hemmt. Daneben wirkt das Wort noch auf anderer Ebene.

Wo es keine Handelnden und Verantwortlichen gibt, geht innere Anteilnahme verloren. So teilen sich dem Zuhörer keine Freude und Begeisterung mit, wenn ein Olympiasieger sagt: „Man kann das gar nicht fassen. Man hat dafür hart trainiert.“[1]

Hören wir eine solche Aussage, stellen wir uns unbewusst Fragen wie: „Wer ist nun Olympiasieger? Wer kann es noch nicht fassen? Und wer hat hart trainiert?“

Die meisten Zuhörer nehmen diese Aussage des erfolgreichen Athleten wohl nur mit Gleichgültigkeit und halber Aufmerksamkeit auf. Vermutlich vergessen sie sowohl den Sportler als auch dessen Erfolg binnen kurzer Frist. Ein Sportler, der so spricht, zeigt anderen seine Freude und Begeisterung nicht. Freude ist immer persönlich und nur so vermögen wir sie anderen mitzuteilen und mit ihnen zu teilen.

Nicht nur Emotionen vermag man zu verstecken, sondern auch den Sprecher selbst.[2] Dies gelingt so gut, dass „man“ ihn als Mensch nicht mehr wahrnimmt. Menschen, die von sich als man sprechen, werden daher leicht übersehen und übergangen. Andere nehmen sie nicht wahr und folglich berücksichtigen sie sie nicht.

Der Weg von der fehlenden Berücksichtigung bis hin zur Fremdbestimmung ist kurz: Wer nicht gesehen wird, über den wird oft einfach bestimmt. Das geht so leicht, dass der Bestimmende dies im Eifer des Geschehens mitunter nicht bemerkt. Und die Person, über die bestimmt wird, merkt es oft auch erst nach einiger Zeit.

Sie haben nun einiges über das tückische Wörtchen man erfahren. Im nächsten, finalen Beitrag werde ich Ihnen Tipps zur Hand legen, mit denen Sie man auf die Schliche kommen und es in Ihrer Sprache wandeln können.

[1] Vgl. von Scheurl-Defersdorf, Mechthild R.: In der Sprache liegt die Kraft – sich selbst und andere führen. Hörbuch bestehend aus 2 CDs. Erlangen: LINGVA ETERNA Verlag GmbH. CD 1, Kapitel 6.

[2] Vgl. von Scheurl-Defersdorf, Mechthild R.: In der Sprache liegt die Kraft – sich selbst und andere führen. Hörbuch bestehend aus 2 CDs. Erlangen: LINGVA ETERNA Verlag GmbH. CD 1, Kapitel 6.

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