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Wie uns unsere Satzmelodie degradiert

10. Mai 2022

Wie Sie in den vorigen Beiträgen gelesen haben, gibt es verschiedene, weitverbreitete Satzformen, die uns und unseren Gesprächspartnern das Leben schwer machen. Heute erfahren Sie, wie diese Sätze genau wirken.

Teil der unbewussten Wirkung ist die Sprachmelodie: Den im letzten Beitrag genannten Satzarten liegt ein besonderer Stimmgebrauch zugrunde. Wer sie verwendet, geht mit der Stimme nach dem allerersten Satzanfang fast nie nach unten. Sprecher beginnen jede Aussage mit der Stimme unten und enden oben. Erst ganz am Schluss des Berichts senken sie ihre Stimme ab.

Bleibt die Stimme am Satzende oben, bleiben die meisten Sätze im wahrsten Sinne des Wortes “in der Schwebe”[1]. So fehlt der abrundende Punkt. Eine oben endende Satzmelodie gehört eigentlich zum Fragesatz oder zur Einleitung eines Nebensatzes.[2] Versehen Menschen einen Aussagesatz mit dieser Melodie, holen Sie einen Widerspruch in den Raum. Sie hinterfragen unbewusst ihre eigenen Aussagen. Ebenso unbewusst versuchen sie, diesen Widerspruch aufzulösen, indem sie ohne Pause weitersprechen und Nebensatz nach Nebensatz anfügen.

Auf diese Weise versuchen Sprecher aus dem ursprünglichen Fragesatz mithilfe von Nebensätzen doch noch einen Aussagesatz zu formen. So verführen sie sich dazu, weiterzusprechen – selbst wenn bereits alles gesagt ist. Sie sagen in solchen Situationen Dinge, die sie ursprünglich nicht mitteilen wollten.

Auch wenn sie im vorgesehenen Text fortfahren, gibt es Unannehmlichkeiten. Denn die Melodie gibt beim Sprechen von sich aus eine Strukturierung und Gewichtung der Informationen vor. Bleibt die Stimme am Ende eines Aussagesatzes oben, verschiebt die Satzmelodie alle weiteren Informationen in den Nebensatz. Die Stimmführung degradiert sie zur Nebensache. Die Botschaft droht, zu verschwimmen. Der Gesprächspartner verliert den Überblick und kann nicht mehr folgen. Seine Konzentration und Aufmerksamkeit lassen nach.

Dies hat auch Auswirkungen auf Präsenz, Klarheit und Wertschätzung. Die ausgestrahlte Kompetenz und Glaubwürdigkeit der sprechenden Person schwinden Satz für Satz. Sie kann das zwar mit Enthusiasmus und Engagement ausgleichen, es kostet jedoch Kraft. Und unsere Begeisterung für ein Thema sollen und dürfen wir auch ohne selbstgestellte Hürden in die Welt tragen.

Darüber hinaus verleiten sich Sprecher durch ihre Stimmführung dazu, immer weiterzusprechen und ihr Gegenüber nicht zu Wort kommen zu lassen. So übermitteln sie nur geringe Wertschätzung.

Bei längeren Ausführungen erschwert diese Stimmführung dem Publikum das Zuhören. Die Aufmerksamkeit lässt früh nach und die Menschen hören nicht mehr gerne zu. Dabei können sie die Informationen nur eingeschränkt aufnehmen und verarbeiten.

Im nächsten Beitrag lernen Sie den Bogensatz als wahres Wundermittel der Kommunikation kennen. Mit ihm kommen Sie zum Punkt und ebnen den Weg für die Lösung der hier aufgeführten Fallstricke. Bis dahin!

 

[1] Vgl. von Scheurl-Defersdorf (2011), S. 166.

[2] Vgl. „Intonation“ in: Aussprache und Sprechausdruck des Deutschen. https://fit-aussprache.com/de/archives/136 [22.11.2021].

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