Erstgespräch

#65 Zwischen Höflichkeit und Trugbild

Selbstverständlich unter der Lupe


„Ich stehe Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.“

„Dieses gute Ergebnis ist nicht selbstverständlich.“

„Selbstverständlich erhalten Sie Ihre Unterlagen noch heute.“

Selbstverständliches ergibt sich „ohne weitere Erklärung aus dem natürlichen oder logischen Zusammenhang oder Sachverhalt“1. Es gilt als gegeben und bedarf keiner Erläuterung.

Im Alltag nutzen Sprecher selbstverständlich als Brücke. Sie bauen auf Tragfähigkeit und setzen Klarheit und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten voraus. In unseren drei Beispielen schwankt die Konstruktion: Was für den einen selbstverständlich ist, mag für den anderen überraschend oder fremd sein.

In Werbung und Kundenkommunikation soll selbstverständlich Engagement unterstreichen. Im Alltag begegnet es mir als Standardfloskel und als glatte Lüge: „Selbstverständlich stehen Ihre Wünsche bei uns an erster Stelle.“ Falls meine Wünsche wahrhaftig an erster Stelle stehen, ist das alles andere als selbstverständlich.

Tipp: Klarheit verbindet.

Jeder von uns hat sein eigenes Verständnis von der Welt. Setzen Sie auf tragfähige Verbindungen und sagen Sie, was ist. Das starke Wort selbstverständlich braucht es dabei nur selten.

Alternative Formulierungen

„Ich stehe Ihnen gern zur Seite.“

„Dieses gute Ergebnis verdient Anerkennung.“

„Sie erhalten Ihre Unterlagen noch heute.“

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1 Selbstverständlich in Pfeifer, Wolfgang et al. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, DWDS [12.03.2025].

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