Blogserie „Führen mit Hirn“ 3/6: Wirkfaktor Vertrauen

15. Februar 2021

Wirkfaktor Vertrauen

Indem wir Menschen auf personzentrierte Weise, also präsent, beachtend, empathisch und authentisch begegnen, schaffen wir ein Arbeits- und Gesprächsklima, das auch durch Vertrauen geprägt ist.[1] Vertrauen besitzt in Beziehungen eine wechselseitige Wirkung, an der das Hormon Oxytocin beteiligt sein kann. Dieses hat vielseitige Wirkungen in unserem Körper:

  • Erhöhtes Vertrauen in andere Personen
  • Bereitschaft zur emotionalen Öffnung und zur Informationsmitteilung
  • Verstärkung der emotionalen Ausdrucksfähigkeit und Empathie
  • Erhöhung der Tendenz, Augenkontakt herzustellen
  • Stressminderung
  • Bei bindungsunsicheren Menschen Erhöhung der Bindungssicherheit

Das Ergebnis eines Experiments weist zudem darauf hin, dass durch die Signalisierung von Vertrauen auch beim Gegenüber körpereigenes Oxytocin ausgeschüttet wird.

Was bedeutet das für den Führungsalltag?

Ein Workshop-Teilnehmer Lux‘ berichtete von einer Methode bei Vorstellungsgesprächen, die hiermit verbunden sein könnte: um leichter eine „Brücke“ zum Bewerber bauen zu können, erwähnen anwesende Führungskräfte einen eigenen beruflichen Misserfolg. Dies führe zu einer Verbesserung der Gesprächsatmosphäre, in der sich die Bewerber offen präsentieren können.

Meine Erfahrung zeigt, dass mich fremde Menschen beispielsweise an großen umtriebigen Bahnhöfen nur führen können, wenn ich ihnen vertraue – sowohl in ihre guten Absichten als auch in ihre Fähigkeiten. Vertrauen ist demnach eine Investition. Manche Führungskräfte setzen Vertrauen als Belohnung ein, was meiner Überzeugung nach falsch ist. Das Vertrauen öffnet überhaupt erst den Raum für Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. Zusammen mit Sicherheit in einer Beziehung ermöglicht Vertrauen eine bewusste Übernahme von Verantwortung und eine positive Feedbackkultur im Unternehmen. Denn alle Beteiligten können so Feedback geben und empfangen, ohne dass dies auf persönlicher, verletzender Ebene oder nachtragend geschieht.

Lesen Sie hierzu auch meine Beiträge „Mit toxischem Selbstbewusstsein in den Abgrund – Feedback für unternehmerischen Erfolg“, „Feedback oder „Schnaps zum Frühstück“ und „Resonanzfeedback – auch Rückmeldung will gelernt sein“.


[1] Diese gesamte Blogreihe steht in engem Bezug zu dem in „PERSON. Internationale Zeitschrift für Personzentrierte und Experienzielle Psychotherapie und Beratung“ veröffentlichten Fachbeitrag „Wirkfaktoren personzentrierter Beziehungsgestaltung aus neurowissenschaftlicher Sicht“ des Psychologen Dipl. Psych. Michael Lux. Mehr hierzu in Teil 1 dieser Blogreihe.

Den kostenpflichtigen Beitrag finden Sie unter dem Link https://www.researchgate.net/publication/343382337_Wirkfaktoren_personzentrierter_Beziehungsgestaltung_aus_neurowissenschaftlicher_Sicht.

Den nächsten Blogeintrag zu der Serie „Führen mit Hirn“ finden Sie hier:

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Ein Waldweg durch einen sonnigen Mischwald

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