Erstgespräch

#63 Aktiv und Passiv

Mehr als Haltung


„Es wurde so entschieden.“

„Die Routine wird beibehalten.“

„Es wurden Fehler gemacht.“

Aktiv und Passiv sind Verbformen. Das Aktiv benennt einen Vorgang aus der Sicht der handelnden Person: „Der Schüler öffnet das Fenster.“ Im Passiv verschiebt sich die Perspektive. Das Geschehen rückt in den Vordergrund, die Person entfällt oder tritt zurück:1„Das Fenster wird geöffnet.“ / „… vom Schüler geöffnet.“

So entsteht sprachlich eine anonyme Zone. Das ist nützlich, falls die Personen unbekannt sind: „Das Haus wurde 1902 gebaut.“
Im Alltag dient das Passiv häufig als Ausweichmanöver – Sprecher vermeiden damit die klare Zuschreibung von Verantwortung: „Es wurde so entschieden.“ So verhindert das Passiv unbemerkt direkte Konfrontation und genaues Nachdenken über Ursachen und Akteure. Machtverhältnisse erscheinen neutraler, als sie sind. Missstände wirken wie anonyme Vorgänge.

Tipp: Benennen Sie Ross und Reiter

Nennen Sie die Handelnden – das bringt Lebendigkeit, Klarheit und Sorgfalt in ihre Sprache. Und falls Sie aus guten Gründen die Täter nicht nennen wollen, braucht es andere Formulierungen als das scheinbar einfache Passiv.

Alternative Formulierungen

„Unser Vorgesetzter hat das so entschieden.“

„Wir werden diese Routine beibehalten.“

„Ich habe Fehler gemacht.“

Lassen Sie die gesprochene Sprache wie Musik in Ihren Ohren klingen!

Lesen Sie auch den Sprachtipp #42 Superfood: Strukturiert sprechen


1 Vgl. Das Passiv auf Duden.de [11.02.2026]

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